Digitale Bezahlsysteme

Shoppen ohne Cash

Von Paul Trebol · 2017

Bis auf ein Drittel der Bevölkerung, das dem digitalen Wandel nicht traut und an der Ladenkasse grundsätzlich mit Bargeld zahlt, werden die Alternativen zu Schein und Münze kontinuierlich beliebter. Selbst kleinere und mittlere Beträge zahlten Verbraucher immer häufiger mit Karte, stellt die Bundesbank fest. Neben dem Online-Banking waren die Voraussetzungen für eine breite Akzeptanz des Smartphones als Geldbörse nie günstiger als heute. Die Technik ist ausgereift, die Handhabung absolut einfach und für die Sicherheit der Zahlung garantieren die Anbieter.

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch das Land der Bargeldzahler. Nirgendwo sonst wird so viel mit Münzen und Papier gezahlt wie hierzulande. Immerhin stecken nach Statistik der Deutschen Bundesbank durchschnittlich 107 Euro im Portemonnaie eines jedes Bürgers. Als Argumente pro Bargeld werden aufgeführt: eine direkte Ausgabenkontrolle, Einfachheit und höhere Sicherheit als bei Zahlungen per Kreditkarte oder mobilen Systemen.

Die meisten der befragten Personen verfügen über einen Betrag zwischen 50 und 99,99 Euro im Portemonnaie. 13 Prozent haben jedoch nicht mehr als 20 Euro dabei. Auf einen Betrag von über 300 Euro in der Brieftasche kommen nur sechs Prozent. Sind die Tage für Schein und Münze gezählt? Spätestens im Jahr 2018, so die aktuellste Prognose des Einzelhandels, wird Bargeld seine Dominanz an der Ladenkasse in Deutschland verloren haben. Vor allem die Girocard (EC-Karte) werde immer beliebter, auch die digitale Brieftasche steige rapide in der Beleibtheit.

Smartphone als Schlüssel für neue Märkte

Wie bezahlen wir in Zukunft? Mit dem Smartphone? Vielleicht auch mit der Armbanduhr oder einem anderen technischen Utensil, das wir jederzeit bei uns tragen? Auf jeden Fall bezahlen wir vor Ort – überall und alles. Denn Mobile Payment ist der Schlüssel, mit dem Industrie und Handel die Tür zu neuen Märkten öffnen. Streng genommen ist auch Bargeld eine Spielart des mobilen Bezahlens, aber eben nicht so facetten- und chancenreich. Nachdem seit Jahren der Siegeszug des Mobile Payment verkündet wird, der Verbreitungsgrad aber stets winzig geblieben ist, gerät das Umfeld jetzt mächtig in Bewegung. 

Bleiben noch die Bedenken etlicher Verbraucher, dass sie – je nach Bezahlverfahren – mehr Daten über sich preisgeben, als ihnen lieb ist. Bei der Bezahlung mit Bargeld ist die Lage klar: Der Kunde hinterlässt nichts Persönliches. Bei einer Kartenzahlung erfährt ein Händler nur, was in welchen Mengen gekauft wurde. Wer den Einkauf getätigt hat, bleibt verborgen. Dies gilt auch für etliche Bezahlvorgänge mithilfe einer App auf dem Smartphone. Nur bei einigen Händler-Apps, wie zum Beispiel denjenigen von Edeka und Netto, erfährt der Händler durch die vorherige Registrierung auch, wer den Einkauf getätigt hat. Die Wallets der Mobilfunknetzbetreiber beispielsweise enthielten laut Aussage keinerlei Informationen über Kundenkartendaten – weder über den Einkaufswert noch über die gekauften Artikel.

Sicher wie im Safe

Bei Lösungen von Mobilfunkanbietern blieben die für eine Bezahlung benötigten Daten verschlüsselt im sogenannten Secure-Element. Dieses Sicherheitselement befindet sich in der SIM-Karte des Mobilfunkanbieters, auf der die sensiblen Daten abgelegt werden. Das Secure-Element ist vergleichbar mit dem Schließfach, zu dem nur der Kartenherausgeber, also die kartenherausgebende Bank, Zugang hat. Statt in der SIM-Karte kann das Sicherheitselement auch direkt im Handy verbaut sein. In diesem Fall liegt die Datenhoheit beim Gerätehersteller wie zum Beispiel Apple oder Samsung.  

Industrie und Handel müssen sich mit Mobile Payment in all seinen Facetten beschäftigen. Welche Technologie sich durchsetzt, ist unklar. Nicht zuletzt weil Apple sich auf „NFC“ festgelegt hat, könnte der „Nahfeldfunk“ am schnellsten eine hohe Marktabdeckung fürs Bezahlen am Verkaufsort erlangen. Das wiederum dürfte dem Wunsch der meisten Konsumenten entsprechen: Eine einfache Lösung, die überall und für alles eingesetzt werden kann. In Zukunft zahlen wir mit unserem Smartphone oder Watch, Wearables oder sonstigem mobilen Datenverarbeitungs- und übertragungsgerät. Jedenfalls zahlen wir mobil. 

Internet wird als Einkaufsort immer wichtiger

Daher feilen Banken und Sparkassen an alternativen Bezahlverfahren – schließlich wollen die traditionellen Häuser das Feld nicht der Online-Konkurrenz von Apple, Google, Paypal und Co. oder jungen IT-Firmen überlassen.

Denn das Internet ist mit einem Umsatzanteil von 4,9 Prozent inzwischen der fünftwichtigste Einkaufsort der Verbraucher in Deutschland – Tendenz steigend: 2011 lag der Anteil noch bei 3,6 Prozent, 2008 bei 3,3. Bei diesen Zahlen sind auch Onlinegeschäfte berücksichtigt, die per Kreditkarte, Lastschrift oder einer Überweisung nach Lieferung bezahlt werden. Auf reine Internetbezahlverfahren wie Paypal entfallen aber inzwischen immerhin 2,8 Prozent des Gesamtumsatzes.

Auch wenn das Bezahlen per Mobiltelefon heute fast noch keine Rolle spielt: Gerade für junge Menschen gehören digitale Angebote zum Alltag, die technikaffine Generation könnte auch innovativen Bezahlverfahren zum Durchbruch verhelfen. 

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